Die Braut des Verrats – Der letzte Befehl

Kapitel 2:

Die groben Hände schnitten schmerzhaft in ihre Haut. Das zarte Gewebe ihres Kleides riss hörbar, als sie auf die Füße gezwungen wurde. Der Schmerz der frischen Kratzer auf ihrem Gesicht pulsierte, aber er wurde übertönt von der lähmenden Panik, die ihren Verstand vernebelte. Ihr Vater? Ein letzter Befehl? Die Worte von Hauptmann Weber hallten in ihrem Kopf wider, ein Echo aus einer Vergangenheit, die sie für begraben hielt.

Ihr Bräutigam, eben noch der Architekt ihrer Demütigung, stand nun starr. Die eisige Überlegenheit war aus seinem Gesicht gewichen, ersetzt durch eine Mischung aus Verwirrung und… war das Furcht? Er machte einen Schritt auf sie zu, die Hand halb erhoben. “Weber, was soll das bedeuten? Sie ist meine Frau!”

Hauptmann Weber würdigte ihn keines Blickes. Sein Fokus lag einzig auf der zitternden Braut vor ihm. “Sie war ein Pfand”, korrigierte Weber mit gefährlicher Ruhe. “Und der Vertrag wurde soeben für nichtig erklärt.”

Ein Raunen ging durch die Menge der Smartphone-Zombies. Einige senkten endlich ihre Geräte, die Sensation der gedemütigten Braut vergessen angesichts dieses neuen, militärischen Eingriffs. Die Luft im Saal war plötzlich zum Schneiden dick.

“Mein Vater…”, flüsterte sie, ihre Stimme rau vom Weinen. “Er ist tot. Er ist vor fünf Jahren…”

“Das”, unterbrach Weber sie schroff, “ist das erste von vielen Dingen, über die Sie getäuscht wurden, Isabella.” Er zog einen gefalteten, versiegelten Umschlag aus der Innentasche seiner makellosen Uniform. Das rote Wachssiegel trug ein Wappen, das sie seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hatte – das geheime Abzeichen des alten Regimes.

See also  Les Ombres du Passé

“Bringen Sie sie weg”, befahl Weber den Soldaten, ohne eine weitere Erklärung.

“Nein! Lassen Sie mich los!” Isabella wehrte sich, trat und schlug um sich, doch gegen die eiserne Umklammerung der Gardisten war sie machtlos. Sie wurde durch den Mittelgang gezerrt, vorbei an den aufgerissenen Augen der feinen Gesellschaft.

Als sie die massiven Flügeltüren erreichten, warf sie einen letzten, verzweifelten Blick zurück. Ihr Bräutigam stand nicht länger wie ein Schatten da. Er hatte ein Telefon an sein Ohr gepresst, sein Gesicht eine Fratze aus purer Wut. Doch er sah nicht ihr nach, sondern Weber. In diesem Moment begriff Isabella mit eiskalter Klarheit: Die Demütigung vor dem Altar war nicht das Ende gewesen. Es war nur der Auftakt.

Draußen, in der kühlen Nachtluft, wartete kein Hochzeitsauto, sondern ein gepanzerter Konvoi. Als sie in das dunkle Innere des Fahrzeugs gestoßen wurde, fielen die Worte Webers wieder in ihr Bewusstsein. Der Vertrag wurde für nichtig erklärt.

Wenn ihre Hochzeit ein Vertrag war, was war dann ihr ganzes Leben? Und wenn ihr Vater noch lebte… wer lag dann in seinem Grab? Das Heulen der Sirenen durchschnitt die Stille der Nacht, und Isabella wusste, dass die wahre Hölle gerade erst begonnen hatte.

Related Posts

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

© 2026 cuanhua-loithep | All rights reserved