Die Rote Maske Fällt – Der Schatten hinter dem Spind

Teil 2:

Die Stille im Flur war noch immer so drückend, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Clara half Mia behutsam auf die Beine, während die Schüler um sie herum wie erstarrt wirkten. Selbst Lehrer, die durch den Lärm angelockt worden waren, blieben stumm in den Türen stehen.

Leo und sein Kumpel wimmerten leise auf dem Boden, doch niemand machte Anstalten, ihnen zu helfen. Claras Blick glitt kurz über die Gesichter der Umstehenden, bevor sie Mia beschützend in den Arm nahm.

„Komm, wir verschwinden von hier“, flüsterte Clara, ihre Stimme sanft, aber bestimmt.

Mia nickte nur, noch immer zitternd, und ließ sich von Clara durch die sich langsam teilende Menge führen. Der Weg zum Krankenzimmer kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Jedes Flüstern, das hinter ihrem Rücken aufkam, fühlte sich an wie ein Nadelstich.

Im sicheren, antiseptisch riechenden Krankenzimmer ließ Mia sich auf eine der Liegen sinken. Die rote Perücke saß nun wieder fest auf ihrem Kopf, doch die Maske war gebrochen.

„Warum hast du das getan?“, brachte Mia schließlich hervor, ihre Stimme brach. „Jetzt haben sie dich auch auf dem Kieker.“

Clara setzte sich neben sie und nahm ihre Hand. „Weil niemand das Recht hat, dich so zu behandeln. Und weil…“ Sie zögerte, ihr Blick flackerte kurz zu der geschlossenen Tür. „Weil ich weiß, wie es ist, sich verstecken zu müssen.“

Mia sah auf. Etwas im Tonfall ihrer besten Freundin ließ sie aufhorchen. „Was meinst du?“

Clara seufzte schwer. Sie griff in die Tasche ihrer Uniform und holte etwas Kleines, Glänzendes heraus. Es war eine silberne Kette mit einem seltsamen, achteckigen Anhänger, den Mia noch nie zuvor gesehen hatte.

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„Das… das ist kompliziert, Mia. Leo hat dich nicht einfach nur aus Grausamkeit angegriffen. Es ging nicht nur um die Krankheit.“

Mias Herzschlag beschleunigte sich. „Worum ging es dann?“

Clara schloss die Hand um den Anhänger, ihre Knöchel traten weiß hervor. „Deine Krankheit ist kein Zufall. Und die Tatsache, dass sie ausgerechnet heute, an diesem Datum, passiert ist… das war ein Zeichen. Sie wissen, dass du zurück bist. Und sie wissen, wer du wirklich bist.“

„Wer ich wirklich bin?“, hauchte Mia fassungslos. „Clara, wovon redest du? Ich bin Mia. Ich habe… ich hatte Krebs.“

„Das war die Diagnose, ja.“ Claras Stimme war nun kaum mehr als ein Flüstern. „Aber das, was sie dir im Krankenhaus gegeben haben, das war keine normale Chemotherapie. Und der Grund, warum du deine Haare verloren hast, hat nichts mit der Krankheit zu tun, die sie dir eingeredet haben.“

Mia starrte ihre Freundin an, als sähe sie einen Geist. Die Worte ergaben keinen Sinn, doch der Ernst in Claras Augen ließ keinen Raum für Zweifel.

Plötzlich klopfte es scharf an die Tür. Beide Mädchen schreckten zusammen.

„Clara? Mia? Seid ihr da drinnen?“, rief eine autoritäre Stimme. Es war Herr Direktor Weber.

Claras Gesichtsausdruck verhärtete sich schlagartig. Sie steckte die Kette schnell wieder ein und beugte sich dicht zu Mia.

„Vertrau ihm nicht“, zischte sie eindringlich. „Vertrau niemandem hier. Ich werde dir alles erklären, aber nicht jetzt. Und was auch immer passiert… nimm die Perücke nicht mehr ab. Sie ist nicht nur zur Zierde da. Sie ist ein Signalstörsender.“

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Bevor Mia auch nur reagieren konnte, wurde die Tür aufgestoßen und Direktor Weber trat ein, flankiert von zwei Männern in dunklen Anzügen, die Mia noch nie an der Schule gesehen hatte.

„Ah, da seid ihr ja“, sagte der Direktor mit einem kühlen, berechnenden Lächeln, das seine Augen nicht erreichte. „Mia, meine Liebe, wie ich sehe, geht es dir… den Umständen entsprechend gut. Und Clara… wir müssen uns über dein Verhalten auf dem Flur unterhalten.“

Die Männer in den Anzügen traten einen Schritt vor, und Mia spürte, wie eine eisige Kälte in ihr aufstieg. Die roten Strähnen ihrer Perücke fielen ihr ins Gesicht, während sie das Gefühl bekam, dass ihr Albtraum nicht auf dem Flur geendet hatte. Er hatte gerade erst begonnen.

Fortsetzung folgt… Welche Wahrheit verbirgt sich hinter Mias Krankheit? Wer sind die mysteriösen Männer? Und was hat die rote Perücke wirklich zu bedeuten? Finden Sie es heraus in Teil 3!

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