Teil 2:
Die Worte hingen noch schwer in der flirrenden Hitze, als die Alarmsirenen endlich losheulten. Ihr schriller Klang durchschnitt die Stille, als würde Glas zerspringen. Schwer bewaffnete Wachen stürmten aus den Toren, ihre Schlagstöcke erhoben, die Gesichter verborgen hinter schwarzen Visieren. Sie bahnten sich einen Weg durch die erstarrte Menge der Häftlinge, die hastig zurückwichen und eine Schneise für die Staatsmacht bildeten.
Der Mann in Schwarz rührte sich nicht. Er stand still über dem besiegten Riesen, die Hände entspannt an den Seiten. Er leistete keinen Widerstand, als die Wachen ihn packten, seine Arme brutal auf den Rücken drehten und ihm die kalten Handschellen anlegten. Sein Gesichtsausdruck blieb unleserlich, eine steinerne Maske, die nicht den geringsten Schmerz oder Triumph verriet.
Man schleifte ihn ab. Nicht zurück in seine Zelle, sondern tiefer in den Bauch der Bestie, dorthin, wo das Licht der Sonne nie drang. Die Isolationshaft. Ein feuchtes, stickiges Loch aus Beton, nur wenige Quadratmeter groß. Eine rostige Pritsche, ein Eimer, und absolute Dunkelheit.
Als die schwere Stahltür mit einem dumpfen, ohrenbetäubenden Knall ins Schloss fiel, setzte sich der Mann auf die Kante der Pritsche. Das Chaos der letzten Minuten, der Adrenalinschub, der gewaltsame Ausbruch – all das war von ihm abgefallen wie eine alte Haut. Im Dunkeln saß er da, ruhig, wartend.
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Er wusste, dass dieser Kampf kein Zufall war. Der Riese war nicht aus eigenem Antrieb zu ihm gekommen. Jemand hatte ihn geschickt. Jemand, der seine Fähigkeiten testen wollte. Jemand, der wusste, wer er wirklich war und warum er sich in diesem Gefängnis befand.
Und dieser Jemand hatte nicht mit der Konsequenz seines Handelns gerechnet. Der Riese war nur eine Schachfigur, ein billiger Bauer, geopfert im ersten Zug. Das wahre Spiel hatte gerade erst begonnen.
Tief in seinem Inneren spürte er, wie ein Funke übersprang. Ein eiskalter, berechnender Funke. Er war nicht hier, um seine Zeit abzusitzen. Er war hier mit einem Zweck. Einem Zweck, der tief verwurzelt war in den Schatten der Vergangenheit und der bald das gesamte Gefängnis – und vielleicht weit darüber hinaus – in ein Inferno stürzen würde.
Die Dunkelheit um ihn herum schien lebendig zu werden, gefüllt mit den Geistern derjenigen, die er zurückgelassen hatte, und den Gesichtern derjenigen, die er noch finden musste. Das Echo der Gewalt war erst der Anfang. Die wahren Geheimnisse, die schockierenden Wahrheiten, lagen noch verborgen, tief in den Archiven, in den verschlossenen Köpfen der Wärter und in den dunklen Ecken dieses Ortes.
Und er war bereit, sie ans Licht zu zerren, eine Wahrheit nach der anderen, egal, wie blutig der Weg dorthin sein würde.
Das Spiel hatte begonnen.
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