Die rote Täuschung

Kapitel 2:

„Das hier war kein Einkaufsbummel“, wiederholte die Frau, deren Stimme nun eine unnatürliche Ruhe ausstrahlte. „Und für jemanden in Ihrer Position haben Sie eine bemerkenswert schlechte Beobachtungsgabe, Frau van der Beek.“

Die Augen der Managerin weiteten sich. Die eiskalte Fassade war in sich zusammengebrochen. „W-woher kennen Sie meinen Namen?“

Die Frau, die eben noch hilflos im Rollstuhl gesessen hatte, glitt mit einer Eleganz über den Marmorboden, die die roten Stilettos in ihren Händen fast wie eine Waffe wirken ließen. Sie trat so nah an die Filialleiterin heran, dass diese unwillkürlich einen Schritt zurückwich.

„Ich kenne weitaus mehr als nur Ihren Namen“, flüsterte sie. „Ich weiß von den Unregelmäßigkeiten in den Büchern. Ich kenne die geheimen Lieferungen, die nach Mitternacht über den Hintereingang abgewickelt werden. Und vor allem… kenne ich Ihren wahren Auftraggeber.“

Die junge Verkäuferin, die noch immer auf dem Boden kniete, sah fassungslos zwischen den beiden Frauen hin und her. Die Luft im Raum schien plötzlich zum Schneiden dick.

Frau van der Beek rang nach Fassung. „Das ist absurd! Sie sind verrückt! Security!“

Doch niemand bewegte sich. Die drei anderen Angestellten, die zuvor wie erstarrte Statuen im Hintergrund gestanden hatten, schlossen nun geräuschlos die Eingangstüren der Boutique und ließen die blickdichten Jalousien herunter. Das Klicken der Sicherheitsschlösser hallte laut durch den leeren Raum.

Die Frau im schwarzen Kleid wandte sich an die junge Verkäuferin und reichte ihr eine Hand, um ihr aufzuhelfen. Ihr Blick war plötzlich wieder weich, fast bedauernd.

„Du hast ein gutes Herz, Mia“, sagte sie leise. „Aber du bist in ein Netz geraten, von dem du nicht die geringste Ahnung hast. Du musst jetzt sehr gut zuhören.“

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Sie drehte sich wieder zur Managerin um. „Dies ist keine Boutique. Es ist ein Umschlagplatz. Und Sie haben heute den Fehler gemacht, die Tochter des Mannes zu demütigen, dem all das hier gehört. Doch das ist nur der Anfang…“

Sie zog ein kleines, mattschwarzes Gerät aus der Tasche ihres Kleides.

„Wir haben genau drei Minuten, bevor das Gebäude abgeriegelt wird. Und Sie, Frau van der Beek, werden mir jetzt erzählen, wo das verschwundene Dossier aus der Genfer Filiale ist. Oder die Polizei wird Ihr geringstes Problem sein.“

Wer ist der mächtige Vater der Frau? Was verbirgt sich wirklich hinter der glitzernden Fassade der Boutique? Und welche Rolle spielt die unschuldige Mia in diesem gefährlichen Spiel? Lesen Sie weiter in Kapitel 3!

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