Das Weinen des Babys schien das einzige Geräusch auf der gesamten Dachterrasse zu sein, durchdrungen nur vom gelegentlichen Grollen des fernen Donners. Die Verlobte, Emma, wich einen Schritt zurück, als hätte sie einen Schlag erhalten. Ihr Blick wechselte hektisch zwischen dem blassen Bräutigam, Lukas, und der durchnässten Frau in Rot.
„Lukas?“, flüsterte Emma, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch im Wind. „Ist das wahr?“
Lukas öffnete den Mund, doch bevor er ein Wort herausbringen konnte, hielt die Frau in Rot ihr Handy triumphierend in die Höhe. Der Bildschirm leuchtete grell in der Dämmerung.
FRAU: „Oh, er wird es leugnen. Er leugnet immer alles. Aber diese Nachrichten… und diese Fotos… die lügen nicht.“
Sie tippte auf den Bildschirm und drehte das Telefon in Richtung der Hochzeitsgesellschaft, sodass die vordersten Gäste einen Blick darauf erhaschen konnten. Ein empörtes Raunen ging durch die Reihen. Emmas bester Freund, der Trauzeuge, schnappte sich das Handy und starrte fassungslos auf das Display.
TRAUZEUGE: „Lukas… was ist das? Das sind Kontostände… und… Überweisungen auf ein Offshore-Konto?“
Die Frau in Rot trat noch einen Schritt näher, ein spöttisches Lächeln auf den Lippen.
FRAU: „Es geht nicht nur um den Jungen, Emma. Lukas hat nicht nur eine zweite Familie. Er hat euer gesamtes gemeinsames Vermögen, die Investitionen für euer Traumhaus, abgezweigt. Alles weg.“
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Emma taumelte, ihre Hand umklammerte krampfhaft das Geländer. Die Lichter der Stadt verschwammen vor ihren Augen. Das perfekte Leben, das sie sich aufgebaut hatten, zerbrach in tausend winzige, scharfe Scherben.
LUKAS (panisch): „Es ist nicht so, wie es aussieht! Maria, bitte, lass mich das erklären! Das Geld… es war eine Notwendigkeit!“
MARIA (die Frau in Rot, lachend): „Eine Notwendigkeit für was, Lukas? Für die Spielschulden? Oder vielleicht für das andere, viel dunklere Geheimnis, das du seit Jahren im Keller eurer ach so perfekten Vorstadtvilla versteckst?“
Die Menge hielt kollektiv den Atem an. Ein dunkleres Geheimnis? Was konnte noch schlimmer sein als ein geheimes Kind und Betrug?
Lukas’ Gesichtsausdruck wandelte sich schlagartig. Die Panik wich einer eisigen, berechnenden Kälte. Er richtete sich auf, sein Blick verhärtete sich.
LUKAS (leise, aber bedrohlich): „Du hast keine Ahnung, wovon du sprichst, Maria. Du überschreitest eine Grenze, von der es kein Zurück gibt.“
Maria ließ sich nicht einschüchtern. Sie hielt das Baby enger an sich.
MARIA: „Oh, ich weiß genau, wovon ich spreche. Und ich bin nicht die Einzige.“
Aus dem Schatten der Terrassentür trat eine weitere Gestalt. Ein Mann in einem dunklen Anzug, sein Gesicht teilweise im Dunkeln verborgen. Er trug eine Aktenmappe unter dem Arm.
UNBEKANNTER MANN: „Guten Abend, Herr Wagner. Wir haben einiges zu besprechen. Und ich fürchte, die Polizei ist auch schon auf dem Weg.“
Die Sirenen begannen in der Ferne zu heulen, ihr Klang mischte sich mit dem lauter werdenden Donner.
Teil 3 in den Kommentaren.👇👇
