Schatten der Vergangenheit – Das Geheimnis des goldenen Schlüssels

Teil 2:

Der Raum schien für einen Moment den Atem anzuhalten. Das Ticken der antiken Standuhr in der Ecke klang plötzlich ohrenbetäubend laut. Der ältere Herr, Monsieur de la Roque, suchte nach Worten, sein Gesicht glich einer steinernen Maske, hinter der sich nackte Panik verbarg.

“Isabelle…”, brachte er schließlich heiser hervor. “Wie… wie ist das möglich? Wir dachten alle, Sie seien…”

“Tot?”, fiel sie ihm mit eiskalter Stimme ins Wort. “Ein bedauerlicher Unfall in den Schweizer Alpen? Oh, ich bin sicher, das hätten Sie sich gewünscht, Onkel Henri. Es hätte alles so wunderbar einfach gemacht. Das Erbe, das Château… und vor allem das Schweigen über sie.”

Sie trat einen Schritt näher, der goldene Schlüssel in ihrer Hand schien sich fast in ihre Handfläche zu bohren. “Aber ich habe überlebt. Und ich habe Antworten gesucht. Jahrelang.”

Der Chauffeur hatte sich diskret in die Schatten des Foyers zurückgezogen, während der junge Diener noch immer starr vor Schreck an der Wand kauerte.

“Sie haben kein Recht, hier hereinzuplatzen”, versuchte Henri seine Fassung wiederzugewinnen, doch seine Stimme zitterte merklich. “Das ist mein Haus. Und Ihre Mutter… sie war labil. Es war tragisch, aber…”

“Labil?” Isabelles Lachen war kurz und hart wie Glasbruch. “Ist das die Geschichte, die Sie sich selbst einreden, wenn Sie nachts nicht schlafen können? Dass sie labil war, als sie in jener Nacht das Arbeitszimmer betrat?”

Sie hob den goldenen Schlüssel auf Augenhöhe. “Ich weiß jetzt, was dieser Schlüssel öffnet, Henri. Ich habe das Schließfach in Genf gefunden. Die Papiere. Die Fotografien.”

See also  Das Blut des Klosters – Die Wahrheit im Schatten

Ein leises Keuchen entwich den Lippen des älteren Mannes. Seine Augen weiteten sich vor Entsetzen.

“Sie wissen gar nichts”, zischte er, plötzlich aggressiv. “Sie verstehen nicht, was auf dem Spiel stand. Was noch immer auf dem Spiel steht!”

“Dann erklären Sie es mir!”, forderte Isabelle unerbittlich, ihre Stimme hallte von den Marmorwänden wider. “Erklären Sie mir das verschwundene Geld, die gefälschten Unterschriften… und wer der Mann war, der sie in jener Nacht auf der Klippe traf.”

Die Stille, die auf diese Worte folgte, war greifbar. Henri de la Roque blickte sich gehetzt um, als erwarte er, dass die Wände selbst zuhören würden.

“Wenn ich Ihnen das sage, Isabelle”, flüsterte er schließlich, “dann sind Sie in ebenso großer Gefahr wie sie es war. Es gibt Mächte… Menschen, die nicht zögern werden, uns beide aus dem Weg zu räumen, wenn dieses Geheimnis ans Licht kommt.”

Er trat dicht an sie heran, der Geruch von Angst und teurem Cognac umwehte ihn.

“Das hier…”, er deutete auf den Schlüssel, “ist nur die Spitze des Eisbergs. Was im Ostflügel verborgen liegt… das wird nicht nur unsere Familie zerstören, sondern ganz Paris erzittern lassen.”

Isabelles Blick verdunkelte sich, doch ihre Entschlossenheit wuchs. Sie war bereit für die Wahrheit, egal wie blutig sie sein mochte.

(Fortsetzung folgt… Welche dunklen Mächte verbergen sich im Ostflügel? Und wer war der mysteriöse Mann auf der Klippe?)

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