Teil 2:
Der dumpfe Schlag aus dem Inneren des Lieferwagens hallte noch immer nach, als die Schockstarre der Passanten endlich brach. Ein junger Mann im Anzug trat vor, die Hände beschwichtigend gehoben, als wollte er den Hund beruhigen. Doch der Mischling wich keinen Millimeter zurück, knurrte tief in der Kehle und zeigte die Zähne.
“Wir müssen die Polizei rufen”, sagte die Frau im Trenchcoat mit zitternder Stimme und nestelte hastig nach ihrem Handy.
Der ältere Mann mit der Schiebermütze hingegen machte einen zögerlichen Schritt auf den Wagen zu. Sein Blick haftete nicht auf den Türen, sondern auf dem Nummernschild. Es war schmutzig, kaum noch lesbar. “Das… das kann nicht sein”, murmelte er leise, so leise, dass nur die Frau neben ihm es hören konnte.
“Was?”, fragte sie, den Blick von ihrem Handy abwendend.
Er deutete mit zittrigem Finger auf eine kaum sichtbare, verblasste Plakette an der rechten unteren Ecke des Kennzeichens. “Dieses Symbol… ich habe es schon einmal gesehen. Vor langer Zeit.”
Bevor er weitersprechen konnte, hielt ein dunkler SUV mit quietschenden Reifen direkt neben dem weißen Lieferwagen. Zwei Männer sprangen heraus, gekleidet in unauffällige schwarze Anzüge. Ihr Auftreten war routiniert, fast schon gelangweilt.
“Weg da!”, rief der eine, packte den aufgeregten Hund unsanft am Halsband und zog ihn beiseite. Der Hund wehrte sich verzweifelt, schnappte nach der Hand des Mannes, wurde aber grob zurückgestoßen.
Der andere Mann schob die Umstehenden resolut zurück. “Nichts zu sehen hier. Bitte gehen Sie weiter.”
Die Frau mit dem Handy trat mutig vor. “Da drin ist jemand! Wir haben es gehört! Der Hund…”
“Ein technischer Defekt”, unterbrach sie der Mann scharf. Sein Blick war kalt und abweisend. “Eine defekte Klimaanlage. Wir kümmern uns darum.”
Er drehte sich zum Lieferwagen, zog einen Schlüssel aus der Tasche und steckte ihn in das kleine Vorhängeschloss an der Tür. Ein lautes Klicken ertönte, doch als er die Tür öffnete, passierte nicht das, was alle erwartet hatten. Niemand stürzte heraus, kein Hilfeschrei erklang.
Der Spalt war nur schmal, doch die Umstehenden konnten einen Blick in das Innere erhaschen. Es war kein gewöhnlicher Laderaum. Er war mit spiegelndem Metall ausgekleidet, sterilem, kalten Edelstahl. Und in der Mitte des Raumes stand etwas, das von einer dicken, schwarzen Plane verdeckt wurde. Es sah aus wie ein großer Tank oder vielleicht ein Sarkophag.
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Der Hund jaulte noch einmal herzzerreißend auf, dann schlug der Mann die Tür mit voller Wucht wieder zu. Das Klicken des Schlosses klang in der plötzlichen Stille wie ein Donnerschlag.
“Das war kein Tier”, flüsterte der ältere Mann, sein Blick noch immer starr auf die Stelle gerichtet, wo der Lieferwagen gestanden hatte. Die beiden Männer waren bereits wieder in ihren SUV gestiegen und fuhren mit aufheulendem Motor davon, den weißen Lieferwagen dicht hinter sich lassend. Der Mischling starrte den Fahrzeugen nach, ein einsamer, verzweifelter Wächter auf dem Bürgersteig.
“Was meinen Sie?”, fragte die Frau, ihr Herz pochte wild in ihrer Brust.
Der alte Mann drehte sich zu ihr um, seine Augen voller Furcht und einem Wissen, das er lieber nicht hätte. “Das Symbol… es gehört zu einer Einrichtung. Einer Einrichtung, die es eigentlich gar nicht geben sollte.” Er schluckte schwer. “Und was immer sie da transportieren… es ist nicht menschlich.”
